Fasten boomt, aber passt es wirklich zu dir ganz persönlich?
Fasten liegt seit Jahren bereits im Trend. Überall hört man von Intervallfasten, Heilfasten, Detox-Kuren – und natürlich den vielen positiven Effekten:
✔️ Entlastung der Verdauung
✔️ Anregung des Stoffwechsels
✔️ Zellregeneration und Entgiftung
✔️ Klarheit im Geist
Doch die entscheidende Frage ist: Ist Fasten wirklich für jeden Menschen gesund? Und welche Auswirkung kann das Fasten auf die mentale Balance haben?
👉 Laut Ayurveda, dem jahrtausendealten Gesundheitssystem aus Indien, hängt die Wirkung von Fasten ganz von deiner individuellen Konstitution ab.
Während manche Menschen durch Fasten leichter, klarer und energiegeladener werden, kann es bei anderen zu Erschöpfung, Reizbarkeit oder Verdauungsproblemen führen. Aber woran liegt das genau?
In diesem Artikel erfährst du:
💡 Welche Fastenarten verbreitet sind & wie sie wirken
💡 Was Ayurveda über Fasten sagt – basierend auf klassischen Texten
💡 Welche Risiken Fasten für deine Konstitution (Vata, Pitta, Kapha) haben kann
💡 Warum sanfte Entlastungstage oft besser sind als extremes Fasten
Fasten ist nicht gleich Fasten: Welche Arten gibt es?
Viele Menschen denken beim Fasten direkt an tagelangen Nahrungsverzicht oder extreme Kuren. Tatsächlich gibt es viele verschiedene Methoden, die unterschiedlich auf Körper und Geist wirken:
Intervallfasten (z. B. 16:8, 14:10)
📌 Prinzip: Eine tägliche Essenspause von mindestens 16 Stunden, z. B. essen nur zwischen 12 und 20 Uhr.
✅ Entlastet die Verdauung, stabilisiert den Blutzucker, fördert den Fettstoffwechsel.
⚠️ Für die von Vata dominierte Konstitution (Elemente Luft & Raum) oft zu belastend, da lange Essenspausen das Nervensystem stressen können und für die von Pitta dominierte Konstitution (Elemente Feuer & Wasser) sehr schwer realisierbar. Denn hier ist regelmässig Hunger vorhanden, welcher nicht übergangen werden sollte, um das Verdauungsfeuer nicht zu stören.
Suppenfasten
📌 Prinzip: Mehrere Tage lang nur flüssige, leicht verdauliche Suppen zu sich nehmen.
✅ Wärmt den Körper, versorgt ihn mit Nährstoffen, entlastet die Verdauung.
⚠️ Für Menschen, in deren Konstitution Kapha dominiert (Elemente Erde & Wasser) gut geeignet, für die von Vata dominierte Konstitution nur dann, wenn die Suppen nahrhaft und ölig genug sind. Mögliche, wenn auch nicht optimale Option für Menschen, die von Pitta dominiert sind, denn diese haben gerne etwas zu „knabbern“.
Saftfasten
📌 Prinzip: Fasten mit frisch gepressten Obst- und Gemüsesäften.
✅ Liefert viele Vitamine, kann entgiftend wirken.
⚠️ Rohkost-Säfte sind kühlend und aktivierend – für Menschen, die von Vata dominiert werden nicht ideal, da sie schwer verdaulich sind und zu Blähungen und Durchfall führen können. Generell ist diese Art von Fasten nur für Menschen mit sehr guter Verdauungskraft (Agni) geeignet.
Was sagen die klassischen Ayurveda-Texte über das Fasten?
Gibt es so etwas wie „Ayurvedisches Fasten“?
Die wichtigsten Ayurveda-Quellen sind:
📜 Charaka Samhita (ca. 200 v. Chr. – 200 n. Chr.)
📜 Sushruta Samhita (ca. 300–500 n. Chr.)
📜 Ashtanga Hridayam (ca. 700 n. Chr.)
Hier einige beispielhafte Zitate:
📌 Charaka Samhita, Sutrasthana 22.19
“In Krankheiten, die durch ein Übermaß an Kapha entstehen, sollte man Maßnahmen zur Reduktion (Langhana) ergreifen. Fasten (Upavasa) ist eine der primären Methoden zur Kapha-Reduktion.”
📌 Charaka Samhita, Sutrasthana 3.20
“Während des Frühlings (Vasanta Ritu) sammeln sich Kapha und Ama im Körper an. Um dies auszugleichen, sollten leichte und trockene Lebensmittel bevorzugt und gelegentlich Fasten angewendet werden.”
📌 Sushruta Samhita, Sutrasthana 46.497
“Wenn der Körper durch übermäßige Nahrung oder Ama belastet ist, kann eine Reduktionstherapie (Langhana) durchgeführt werden. Upavasa (Fasten) ist eine Methode, die besonders bei Kapha-Störungen eingesetzt wird.”
📌 Ashtanga Hridayam, Sutrasthana 14.4
“Upavasa (Fasten), Pachana (Verdauungsfördernde Kräuter), Atapa (Sonnenbaden), Maruta (frische Luft), Vyayama (Bewegung) und Kshut (Hungern, aber nicht vollständiges Fasten) sind Methoden zur Reduzierung von Kapha und Ama.”
Fasten (Upavasa) wird als therapeutisches Mittel erwähnt, aber nicht als allgemeine Gesundheitsmassnahme für alle empfohlen.
Es wird vor allem für Kapha-Dysbalancen genutzt (z. B. bei Ama-Ansammlungen, Verdauungsschwäche, Schleimüberschuss).
Von Vata- und Pitta-dominierte Konstitutionen sollten nicht lange fasten, da es zu Trockenheit, Reizbarkeit und Substanzverlust führen kann.
➡️ Die Reinigung des Körpers (Shodhana) wird als wichtiger Bestandteil der saisonalen Anpassungen (Ritucharya) genannt – insbesondere im Frühling zur Kapha-Reduktion.
💡 Fasten ist also keine universelle Empfehlung im Ayurveda, sondern ein gezieltes Werkzeug!
🔎 Du möchtest selbst einmal in einer der Originalquellen stöbern? Dann findest du hier den Link auf die Charaka Samhita in Englisch -> Charaka Samhita online (Englisch)
Auswirkungen des Fastens je nach ayurvedischer Konstitution
💨 Fasten bei einer von Vata dominierten Konstitution
Menschen, die von Vata dominiert sind, neigen zu einem instabilen Verdauungsfeuer, welches leicht aus dem Gleichgewicht gerät.
Ausserdem bringt Vata die Eigenschaften subtil, leicht und trocken mit sich.
Deshalb kann längeres Fasten auf körperlicher Ebene zu Substanzverlust & Erschöpfung führen, ebenso zu Energielosigkeit und Frieren.
Des weiteren kann sich die Neigung zu Blähungen verstärken ,und es können zusätzliche Verdauungsprobleme entstehen, wie Verstopfung oder Krämpfe.
Von Vata dominierte Menschen brauchen viel Erdung und Stabilität in ihrem Leben. Wird gefastet, und es kommt zu Substanzverlust, können sich auf mentaler Ebene Nervosität, Gedankenkreisen, innere Unruhe, Schlafprobleme und sogar Angstzustände entwickeln.
Fazit: Vata braucht Regelmäßigkeit und Wärme, keine langen Essenspausen oder kalten Detox-Kuren.
🔥 Fasten bei einer von Pitta dominierten Konstitution
Menschen, deren Konstitution von Pitta (Elemente Feuer & Wasser) dominiert werden, haben in der Regel ein starkes Verdauungsfeuer. Wenn dieses Feuer brennt, aber keine Nahrung bekommt, kann das auf körperlicher Ebene zu Problemen führen, wie Übersäuerung und Magenschmerzen. Denn das Verdauungsfeuer beginnt, die Magenschleimhaut anzugreifen, was zu Sodbrennen oder auch einer Gastritis führen kann.
Auch auf mentaler Ebene kann es zu Reizbarkeit und emotionale Unausgeglichenheit kommen, denn wo sonst gesunder Ehrgeiz und Durchsetzungkraft im Vordergrund stehen, führt der Hunger schnell zu Wutanfällen, Ungeduld und Gereiztheit.
Du hast bestimmt schon einmal das Wort „hangry“ gehört. Yep genau, das kannst du genau hier gut verwenden.
Fazit: Pitta braucht „kontrollierte Flammen“ statt ein loderndes Feuer ohne Brennstoff. Ein sanfter Ausgleich ist besser als extremes Fasten!
🌿 Fasten bei einer von Kapha dominierten Konstitution
Menschen mit dominantem Kapha profitieren am meisten vom Fasten, aber auch sie sollten es nicht übertreiben.
Kapha hat viel Substanz – Fasten kann helfen, Schweregefühl, Trägheit oder Wassereinlagerungen zu reduzieren.
Die Kapha-Konstitution neigt ausserdem zu einereher langsamen Verdauung. Ein leichtes Kapha-Detox im Frühjahr kann den Stoffwechsel anregen und helfen, unverdaute Ablagerungen (Ama) aus dem Körper zu leiten. Hier hilft es auch, ein gut abgestimmtes Bewegungsprogramm einzubauen.
Aber auch hier gilt es folgendes zu beachten:
Zu lange Fastenphasen können den Stoffwechsel verlangsamen
- Die Verdauung von Kapha dominierten Menschen ist von Natur aus langsam – wenn die Fastenzeit zu lange ist, kann Agni noch mehr geschwächt werden.
- Das kann zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder sogar Gewichtszunahme nach dem Fasten führen, weil der Körper auf „Energiesparmodus“ umschaltet.
Emotionale Schwere kann zunehmen
- Kapha-Konstitutionen neigen ohnehin zu Schwere und Trägheit, sowohl körperlich als auch emotional.
- Längeres Fasten kann diese Neigung verstärken und zu Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit oder sogar depressiven Verstimmungen führen.
Fazit: Kapha kann durch Fasten neue Leichtigkeit gewinnen, aber sollte darauf achten, den Stoffwechsel nicht zu sehr herunterzufahren.
Die Alternative: Sanfte Entlastungstage statt radikales Fasten
Während Ayurveda kein extremes Fasten empfiehlt, gibt es eine sanfte Alternative: Entlastungstage mit leicht verdaulichen Speisen.
Was stammt aus den klassischen Schriften – und was ist eine moderne Adaption?
✅ Traditionell im Ayurveda (klassische Texte):
- Saisonale Reinigung (Shodhana) zur Kapha-Reduktion im Frühling
- Verzicht auf schwere, fettige und kalte Speisen
- Unterstützung der Verdauung durch warme, leicht verdauliche Nahrung
✅ Moderne Ayurveda-Praxis (angepasst an heutige Bedürfnisse):
- Kitchari-Kur als sanfte Reinigung, um Agni stabil zu halten
- Entlastungstage mit warmem Brei und Suppen, um Vata und Pitta nicht zu belasten
Wie könnte ein Entlastungstag aussehen, der sich an ayurvedischen Prinzipien orientiert?
🌞 Morgens:
- Warmes (Ingwer-)Wasser zur Anregung der Verdauung
- Sanfte Bewegung (Yoga, Spaziergang, Schwimmen)
🥣 Frühstück:
- Eine kleine Portion Getreidebrei mit Ghee, Ingwer und Zimt (besonders für Vata und Pitta geeignet, bei Kapha-Dominanz am besten auf Hirse zurückgreifen und das Ghee weglassen).
- Generell gilt für das Frühstück:
- Leicht & warm (kein Brot, keine Milchprodukte)
- Mit anregenden Gewürzen (Ingwer, Zimt, Kardamom, schwarzer Pfeffer)
- Keine schweren oder schleimbildenden Zutaten (kein Joghurt, kein Käse)
🍲 Mittagessen:
- Kitchari, leicht verdaulich, nährend, aber entlastend (es gibt verschiedene Rezepte online zu finden, diese Seite kann ich dir empfehlen).
🥄 Abends:
- Eine warme Suppe (z. B. Karottensuppe mit Ingwer und Kreuzkümmel)
- Kräutertee (Fenchel, Ingwer, Anis, Kreuzkümmel zur Unterstützung der Verdauung)
📌 Generell:
- Viel warmes Wasser oder Kräutertee trinken
- Abends eine Yin Yoga oder Restorative Yoga Praxis
- Früh schlafen gehen, um den Körper zu regenerieren
Gesamtfazit
Ich hoffe, du konntest dir nun ein besseres Bild zum Thema Fasten verschaffen und auch verstehen, warum aus ayurvedischer Sicht die Konstitution eine entscheidende Rolle spielt.
Fasten sollte also immer ganz individuell angeschaut und durchgeführt werden.
Inzwischen gibt es unzählige begleitete ayurvedische Entlastungskuren im Frühling, denen du dich anschliessen kannst. Schau aber vorher genau darauf, ob sie auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt wird. Am besten ist natürlich eine entsprechende 1:1 Beratung durch einen erfahrenden Ayurveda-Experten oder -Therapeuten, aber auch Gruppenkurse können geeignet sein. Wenn allerdings alle Teilnehmenden den gleichen Ablauf innerhalb der „Kur“ haben, solltest du eher vorsichtig sein.
➡️ Hast du selbst schon einmal gefastet und wenn ja, wie waren deine Erfahrungen? Ich würde mich sehr freuen, wenn du sie unten als Kommentar teilst.
Zum Weiterlesen: Mit Ayurveda gesund durch den Frühling