Vielleicht kennst du das: Der Alltag rast in einem unglaublichen Tempo an dir vorbei. Die To-do-Liste scheint kein Ende zu nehmen und dein Geist findet einfach keine Ruhe.
In solchen Momenten ist Achtsamkeit kein Modewort, sondern ein wertvoller Anker, der uns zurück zu uns selbst führt.
In diesem Beitrag möchte ich dich auf eine besondere Reise über 7 Wochen einladen. Denn gemeinsam erkunden wir die 7 Säulen der Achtsamkeit nach Jon Kabat-Zinn.
Damit diese Impulse wirklich auf fruchtbaren Boden fallen, empfehle ich dir etwas ganz Einfaches: Widme dich jede Woche nur einer einzigen Säule. Lass die Gedanken und Übungen in Ruhe wirken. Es geht nicht darum, etwas schnell zu verstehen oder gar „abzuarbeiten“, sondern darum, ins Erleben zu kommen.
Und wenn du eher ein audio-/visueller Mensch bist, dann kannst du dich freuen, denn ich habe für jede Säule auch optional noch ein kurzes Video erstellt.
Ich wünsche dir nun ganz viel Spass beim Erkunden der 7 Säulen der Achtsamkeit.
Säule 1 – Offenheit: Beobachten statt bewerten
Der erste Schritt zu mehr Gelassenheit ist die Offenheit. Das bedeutet, Dinge wahrzunehmen, ohne sie sofort in die Schubladen „gut“ oder „schlecht“ einzuordnen.
Unser Gehirn ist evolutionär darauf trainiert, ständig zu bewerten. Früher sicherte uns das das Überleben, denn wir mussten in Sekundenbruchteilen entscheiden, ob Gefahr droht und ob wir kämpfen oder weglaufen müssen. Heute erzählt uns unser Geist jedoch oft Geschichten, die uns unnötig stressen.
Vielleicht kennst du solche Situationen:
- Zwei Frauen im Zug-Abteil gegenüber schauen kurz herüber und tuscheln, und sofort meldet sich dein innerer Bewerter: „Die machen sich bestimmt über mich lustig.“
- Oder der Chef wirkt kurz angebunden und dein Geist flüstert: „Er schätzt meine Arbeit nicht. Er ist unzufrieden, wie ich das Projekt leite.“
Doch all das sind Annahmen und keine Fakten. Deshalb merke dir gerne den Satz: „Glaube nicht alles, was du denkst“.
Übung: Der neugierige Beobachter
- Halte kurz inne, sobald du bemerkst, dass dein Geist eine Situation bewertet.
- Frage dich: Was ist tatsächlich beobachtbar, und was ist „nur“ eine Geschichte meines Geistes?
- Notiere dir am Abend kurz deine Erkenntnisse. Was hast du über deine automatischen Schubladen gelernt?
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Säule 2 – Geduld: Liebevoll mit dir selbst sein
Geduld bedeutet im Kontext der Achtsamkeit vor allem eines: Sei liebevoll und nachsichtig mit dir selbst.
Wenn eine Freundin einen Fehler macht, nimmst du sie wahrscheinlich tröstend in den Arm. Doch wie gehst du mit dir selbst um?
Viele von uns sind ihre eigenen größten Kritiker:innen. Wir schimpfen mit uns, machen uns Vorwürfe und erwarten Perfektion.
Diese Woche geht es darum, die innere Stimme etwas sanfter werden zu lassen.
Übung: Mehr Selbstmitgefühl
- Innehalten: Stoppe kurz, wenn du bemerkst, dass du hart zu dir selbst wirst.
- Perspektivwechsel: Frage dich: „Was würde ich jetzt meiner besten Freundin sagen?“
- Spielerische Aktion: Schnipse in einer dieser Situationen das kleine, kritische Teufelchen ganz bewusst von deiner Schulter! Sage dir stattdessen: „Ich habe in diesem Moment mein Bestes gegeben.“
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Säule 3 – Anfängergeist: Neugier als Schlüssel
Der Anfängergeist lädt uns ein, der Welt mit der Neugier eines Kindes zu begegnen. Alles darf so betrachtet werden, als würden wir es zum ersten Mal erleben.
Im Alltag passiert häufig das Gegenteil. Unser Geist sagt: „Das kenne ich schon“ oder „Das funktioniert sowieso nicht.“ Wenn diese Haltung zur Standardeinstellung wird, verschliessen wir uns dem Leben und lernen auch nichts mehr Neues. Dabei ist gerade das sehr wichtig, um unseren Geist langfristig fit und gesund zu halten.
Checkliste für deine nächste Begegnung
Frage dich:
- Bin ich wirklich im Hier und Jetzt und höre interessiert zu?
- Bin ich neugierig auf mein Gegenüber und das, was er / sie erzählt?
- Lasse ich Informationen erst einmal wirken, bevor ich urteile?
- Bin ich bereit, einfach einmal etwas auszuprobieren, obwohl ich zunächst einen inneren Widerstand spüre?
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Säule 4 – Vertrauen: Dem Fluss des Lebens folgen
Vertrauen ist eine Säule, die mir persönlich besonders am Herzen liegt.
Vertrauen bedeutet, die krampfhafte Kontrolle ein Stück weit loszulassen, nicht nur über äussere Umstände, sondern auch über unsere Gedanken und Gefühle. Mangelndes Vertrauen kostet unglaublich viel Energie und nimmt uns auch ein Stück Lebensfreude.
Reflexionsübung
- Denke an eine Situation, in der du unbedingt die Kontrolle behalten wolltest.
- Welche Motivation oder sogar Angst stand dahinter?
- Was hätte dir geholfen, mehr Vertrauen zu entwickeln?
Versuche diese Woche eine kurze Morgenkontemplation: Setze dich kurz hin, schliess die Augen und nimm ein paar tiefe Atemzüge. Spüre hinein, wie es wäre, wenn du mit Vertrauen in diesen neuen Tag startest.
Du wirst merken: Vieles beim Vertrauen hat mit dem Loslassen zu tun, unserer siebten Säule.
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Säule 5 – Zwanglosigkeit: Entdecken statt erreichen
Unsere Gesellschaft ist stark leistungsorientiert. Wir sollen produktiv sein, Ziele erreichen und uns ständig verbessern. Das führt häufig zu Druck und einem hohen Stresslevel.
Die Säule der Zwanglosigkeit schenkt uns ein anderes Gefühl, das der Leichtigkeit. Wenn wir uns in Achtsamkeit üben, gibt es nichts zu erreichen. Es gibt nur etwas zu entdecken.
Übung: Folge deiner Freude
- Folge in den nächsten Tagen vermehrt deiner Freude, statt nur deine To-do-Liste abzuarbeiten
- Beobachte danach: Fühlst du dich frei oder meldet sich ein schlechtes Gewissen?
- Lass dieses Gefühl einfach da sein.
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Säule 6 – Akzeptanz: Frieden mit dem Jetzt
Akzeptanz ist vielleicht eine der wichtigsten Achtsamkeits-Säulen. Alles ist okay, so wie es jetzt gerade ist. Je mehr wir gegen belastende Gefühle ankämpfen („Warum gerade ich?“), desto mehr Kraft verlieren wir und desto grösser wird der Schmerz.
Visualisierung: Der Garten
Stelle dir einen wunderschönen Garten vor. In ihm wachsen prächtige Blumen, aber auch Unkräuter. Die Unkräuter stehen für Sorgen und belastende Gedanken.
- Anstatt nun deine ganze Energie darauf zu verwenden, jedes Unkraut mühsam auszureissen, zoome bewusst heraus.
- Betrachte die Schönheit des gesamten Gartens in all seiner Vielfalt.
- Erkenne die Koexistenz: Die Unkräuter dürfen da sein, ohne den ganzen Garten zu beherrschen. Du kannst dich jeden Tag neu entscheiden, ob du deine Zeit mit dem Kampf verbringst oder die Schönheit des grossen Ganzen geniesst.
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Säule 7 – Loslassen: Freiheit durch Vergänglichkeit
Loslassen bedeutet, die emotionale Anhaftung an Dinge, Menschen oder Zustände zu lockern. Wenn wir uns an Besitz, Geld oder sogar unsere Gesundheit klammern, leiden wir unweigerlich, denn alles im Leben ist vergänglich.
Wir müssen uns der existenziellen Wahrheit stellen:
- Wir werden geboren
- Wir altern
- Wir erkranken und
- Wir sterben.
Das ist der Lauf des Lebens. Wenn wir das akzeptieren, kann Leid zu einem Wachstumsmotor werden. Oft geht eine neue Tür auf, wenn eine andere zugeschlagen wird.
Impulse zum Loslassen:
- Lasse den Gedanken los, dass dauerhaftes Glück nur im Aussen zu finden ist. Lerne auf dich selbst und das Leben zu vertrauen.
- Praktische Übung: Spende diese Woche etwas Materielles. Zu sehen, dass man weggeben kann und trotzdem alles hat, was man wirklich braucht, ist unheimlich befreiend.
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Deine Reise zu dir selbst
Die sieben Säulen der Achtsamkeit sind:
- Offenheit
- Geduld
- Anfängergeist
- Vertrauen
- Zwanglosigkeit
- Akzeptanz
- Loslassen
Diese Säulen sind kein Ziel, das man einmal erreicht. Sie sind eine lebenslange Einladung, immer wieder bewusst bei sich selbst einzuchecken.

👉🏻 Welche Säule spricht dich im Moment besonders an? Teile deine Gedanken gerne in den Kommentaren.
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