Für viele von uns liegen die Sommerferien bereits ein paar Wochen zurück, und der Alltag hat uns längst wieder im Griff.
Der Einstieg nach den Ferien fällt oft schwer, bis wir zurück in einem Rhythmus sind, und wenn wir einen Bürojob haben, wartet meist schon am ersten Tag ein voller digitaler Posteingang auf uns.
Aber selbst wenn wir so langsam in einen Rhythmus zurückgefunden haben, bleibt bei vielen ein Gefühl, das ich sehr gut kenne. Nämlich irgendwie getrieben zu sein, obwohl der Kalender eigentlich gut organisiert aussieht.
In meiner aktuellen Podcastfolge zeige ich dir einen Weg, wie es auch anders geht. Einen Ansatz, der bei mir selbst und Menschen, mit denen ich in der Vergangenheit gearbeitet habe, wirklich etwas verändert hat.
Wenn du eher ein auditiver / visueller Mensch bist, kannst du sehr gerne auch von hier aus gleich zu YouTube wechseln.
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Ansonsten lies gerne hier weiter, wenn ich dir erkläre, warum ich inzwischen – wenn immer möglich – meinen Arbeitstag nach den in der Natur vorherrschenden Energien plane, wie sie der Ayurveda in seiner Lehre beschreibt.
Was Ayurveda eigentlich ist
Ayurveda heisst übersetzt so viel wie das Wissen vom Leben. Die Lehre ist mehrere tausend Jahre alt, ihr Ursprung liegt in Indien, und sie ist etwa zeitgleich mit der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) entstanden. Beide Systeme haben viel gemeinsam, beide fussen auf Naturelementen, auch wenn diese Elemente nicht ganz deckungsgleich sind. Wenn dir die TCM schon etwas vertraut ist, wird dir der Einstieg in die ayurvedischen Prinzipien leichtfallen.
Solltest du mit den Elementen im Ayurveda noch gar nicht vertraut sein, empfehle ich dir diesen Blogartikel zum Einstieg.
Was mich an der ayurvedischen Lehre besonders überzeugt, ist die Verbindung zu dem, womit ich sonst in meiner Arbeit ansetze:
Der Nervensystemarbeit. Denn wenn du gegen den natürlichen Rhythmus der Natur arbeitest, du also zum Beispiel abends noch versuchst, mit voller Kraft eine Entscheidung durchzudrücken, obwohl dein System längst in Richtung Ruhe schaltet, dann kostet dich das mehr Energie, als du merkst.
Die Dosha-Uhr, die ich dir weiter unten erklären werde, ist für mich deshalb kein zusätzliches System neben der Nervensystemregulation, sondern eine sehr alte und genaue Beschreibung von dem, was ich sonst über die Balance von Aktivierung und Beruhigung erkläre.
Die drei Funktionsprinzipien
Im Ayurveda unterscheiden wir drei sogenannte Funktionsprinzipien, die Doshas. Jedes von ihnen bringt eigene Eigenschaften mit und ist im Körper wie in der Natur für bestimmte Prozesse zuständig.
Kapha ist das Strukturprinzip, aufgebaut aus den Elementen Erde und Wasser. Seine Eigenschaften sind unter anderem ölig, feucht, kalt und träge. Kapha sorgt im Körper für den Aufbau von Gewebe, deshalb sind Kinder besonders stark von Kapha geprägt, sie befinden sich ja noch mitten im Aufbau. Kapha schmiert unsere Gelenke, und es steht für Stabilität, auch emotional. Wer in einer Kapha-Phase ist, ist tendenziell ruhig, geduldig und ausgeglichen.
Pitta ist das Transformationsprinzip, aufgebaut aus Feuer und Wasser. Die Eigenschaften sind vor allem heiss, durchdringend und scharf, mit einer leichten Ölkomponente, insgesamt aber eher trocken, wie es zum Element Feuer passt. Pitta ist in erster Linie für unseren Stoffwechsel zuständig, für Verdauung und Metabolismus. Es ist das treibende Prinzip: Drang, Schwung, Fokus, Leidenschaft.
Vata ist das Bewegungsprinzip, aufgebaut aus Luft und Raum, den beiden subtilsten Elementen im System. Vata ist leicht, fein und beweglich, mit einer gewissen Unruhe. Im Körper sorgt Vata für alles, was sich bewegt: Kreislauf, Herzschlag, Muskelbewegung, aber auch die Abtransportprozesse im Stoffwechsel. Vata bringt eine verspielte, kreative Komponente mit.
Alle drei Prinzipien existieren gleichzeitig in dir, meist mit einer dominanten Ausprägung, aber für die Dosha-Uhr ist das gar nicht entscheidend. Wichtig ist, dass diese drei Qualitäten auch den Tagesverlauf prägen, unabhängig davon, welches Prinzip bei dir persönlich überwiegt. Dafür möchte ich dir die „Dosha-Uhr“ vorstellen. Ein Instrument, welches einfach, aber sehr wirkungsvoll auf dein Privat- und auch dein Arbeitsleben angewendet werden kann.
Die Dosha-Uhr: Dein Tag hat längst einen Rhythmus
Kapha, Pitta und Vata sind – wie bereits oben beschrieben – alle in der Natur zu bestimmten Zeiten vorherrschend, und zwar abhängig vom Sonnenstand. Genau genommen beginnt Kapha bei Sonnenaufgang, und dieser liegt natürlich zeitlich im Winter ganz anders als im Sommer. Der Einfachheit halber rechne ich im Beispiel unten mit der sogenannten Tag- und Nachtgleiche. Ausserhalb dieses Zeitpunkts verschieben sich die Fenster mit der Sonne, das Prinzip bleibt aber gleich.
Vereinfacht sieht die Dosha-Uhr so aus:
| Funktionsprinzip | Zeitfenster (vereinfacht) | Was in dieser Zeit vorherrscht |
|---|---|---|
| Kapha, das Strukturprinzip | 6 bis 10 Uhr und 18 bis 22 Uhr | Ruhe, Geduld, Stabilität |
| Pitta, das Transformationsprinzip | 10 bis 14 Uhr und 22 bis 2 Uhr | Fokus, Drive, Entscheidungskraft |
| Vata, das Bewegungsprinzip | 14 bis 18 Uhr und 2 bis 6 Uhr | Kreativität, Austausch, Beweglichkeit |
Jeder Zyklus beginnt mit Kapha, dann folgt Pitta, dann Vata, danach beginnt er von vorn. Das wiederholt sich zweimal am Tag, einmal tagsüber und gespiegelt in der Nacht.

Was das für deinen Arbeitstag bedeutet
Hier wird es konkret, und genau darum ging es mir auch in der Podcastfolge: Wenn du weisst, welches Prinzip gerade vorherrscht, kannst du deine Aufgaben bewusster danach ausrichten.
Der Kapha-Morgen, 6 bis 10 Uhr. Dein Geist ist noch ruhig, strukturiert und emotional stabil. Das ist die Zeit für Routinearbeiten, die Geduld und Ausdauer brauchen, für analytische Tätigkeiten und für die Vorbereitung wichtiger Entscheidungen. Wenn du die Wahl hast, dir diese Zeit frei einzuteilen, nutze sie dafür, statt sie mit dem ersten E-Mail-Sprint zu füllen.
Die Pitta-Mittagszeit, 10 bis 14 Uhr. Dein Verdauungsfeuer und damit auch deine Leistungsfähigkeit sind auf dem Höhepunkt. Das ist die Zeit für deine grösste Mahlzeit, aber auch für Entscheidungen treffen, klar kommunizieren, verhandeln, pitchen. Alles, was Fokus und Durchsetzungsvermögen braucht, gehört in dieses Fenster.
Der Vata-Nachmittag, 14 bis 18 Uhr. Die Energie wird leichter und beweglicher. Das ist die ideale Zeit, um eine wirklich gute Präsentation zu entwickeln, nicht sie zu halten, das wäre eher Pitta, sondern sie zu kreieren. Auch Netzwerken, Austausch mit anderen und alles, was mit Ideenfindung und Innovation zu tun hat, passt hierher.
Der Kapha-Abend, 18 bis 22 Uhr. Der Körper will runterfahren. Wenn du in dieser Zeit noch arbeitest, eignen sich eher ruhige Routineaufgaben, Ablage, das Sortieren von E-Mails, alles, was den Geist nicht wieder aufwühlt.
Die Pitta-Nacht, 22 bis 2 Uhr, hier möchte ich dich wirklich liebevoll warnen. Viele Pitta-geprägte Persönlichkeiten, gerade Perfektionistinnen und Perfektionisten in Führungsrollen, haben genau jetzt noch einmal das Gefühl, sie müssten unbedingt fertig werden. Das ist der Moment, in dem sich dieses Feuer in Richtung Erschöpfung und Burnout entwickeln kann. Nach der ayurvedischen Lehre solltest du eigentlich schon um 22 Uhr im Bett sein, damit du gar nicht erst in diese Pitta-Phase der Nacht hineingerätst und wirklich zur Ruhe kommst.
Die Vata-Nacht, 2 bis 6 Uhr. Diese subtile, unruhige Energie ist der Grund, warum gerade gestresste Pitta- oder Vata-geprägte Menschen genau in dieser Zeit aufwachen und das Gedankenkreisen beginnt. Gleichzeitig laufen in dieser zweiten Nachthälfte wichtige Prozesse ab: Gedanken und Erinnerungen werden sortiert, aus dem Kurzzeit- wird Langzeitgedächtnis, Emotionen werden verarbeitet. Umso wichtiger, dass du in dieser Zeit wirklich schläfst und nicht arbeitest.
So könnte ein umgestellter Tag aussehen
Stell dir eine Führungskraft vor, nennen wir sie Nina, mit einem vollen Kalender und der Gewohnheit, den Tag einfach chronologisch abzuarbeiten, wie er kommt.
Vorher sah ihr Tag so aus: E-Mails direkt nach dem Aufstehen, ein wichtiges Entscheidungsgespräch schon um 8 Uhr, eine Konzeptrunde für eine neue Kampagne direkt nach dem Mittagessen, und um 21 Uhr wird abends noch schnell die Präsentation für den nächsten Tag fertig, weil sich das irgendwie richtig anfühlt.
Mit der Dosha-Uhr im Blick sieht derselbe Tag anders aus: Der Kapha-Morgen ist für die Vorbereitung des Entscheidungsgesprächs reserviert, statt für das Gespräch selbst. Dieses wandert in die Pitta-Mittagszeit, wo Fokus und Klarheit ohnehin am höchsten sind. Schwierige E-Mails werden auch in dieser Zeit beantwortet. Die Konzeptrunde findet am Vata-Nachmittag statt, wenn Kreativität leichter fliesst als direkt nach dem Essen. Dort kann auch die Präsentationserstellung ihren Platz finden. Oder aber, wenn es nur noch um den letzten Schliff hinsichtlich Struktur geht, passt es auch sehr gut am nächsten Kapha-Morgen.
Wie du das für dich ausprobierst
Und jetzt du!
Wenn du die Möglichkeit hast, deine Termine und Aufgaben im Kalender selbst zu platzieren, probiere doch einfach mal aus, sie so weit wie möglich an diese Prinzipien anzupassen. Analytisches und Entscheidungen vorbereiten an den Kapha-Morgen, wichtige Gespräche und Entscheidungen an die Pitta-Mittagszeit, Kreativarbeit und Austausch an den Vata-Nachmittag, und am Abend bewusst runterfahren statt nochmal Bäume auszureissen.
Das braucht etwas Routine, bis sich dein Kalender wirklich danach ausrichtet, rechne mit ein paar Wochen. Steig langsam ein, verschiebe zunächst eine einzelne wichtige Aufgabe pro Tag bewusst in das passende Fenster, und beobachte, was sich verändert.
Gerne kannst du mir zu einem späteren Zeitpunkt in den Kommentaren schreiben, welche Erfahrungen du gemacht hast.
Häufige Einwände, die mir zur Planung nach der Dosha-Uhr begegnen
«Ich kann meinen Kalender doch gar nicht frei einteilen.» Stimmt oft, gerade wenn andere Meetings ansetzen. Fang trotzdem klein an, bei der einen Aufgabe pro Tag, über die du tatsächlich selbst entscheidest, zum Beispiel wann du dir für ein wichtiges Thema konzentrierte Zeit blockierst.
«Was ist mit Schichtarbeit oder sehr frühen oder späten Arbeitszeiten?» Die Reihenfolge der Prinzipien bleibt gleich, erst Struktur, dann Fokus, dann Kreativität, auch wenn sich die genauen Uhrzeiten mit deinem persönlichen Rhythmus verschieben.
«Muss ich das jeden Tag exakt einhalten?» Nein. Es ist ein Werkzeug, kein neues Regime, das dir wieder Druck macht. Schon wenn du an zwei, drei Tagen pro Woche bewusst danach planst, merkst du einen Unterschied.
Du siehst, wichtig ist, dass du einfach einmal anfängst. Der Weg ist hier ganz klar das Ziel.
Wenn du jetzt Lust bekommen hast zu erfahren, welchen Einfluss die Dosha-Uhr auf deinen Stoffwechsel hat und welche Mahlzeiten du wann planen solltest, lies gerne hier in einem Artikel von Kerstin Rosenberg weiter -> Klick
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